Standheizung nachrüsten?

von Josef M. Maltan

Hallo liebe WoMo-Gemeinde,

es ist mal wieder so weit: Die Tage werden kürzer, die Uhren zeigen Winterzeit, und bald sind alle, die ihr WoMo auch als Alltagsfahrzeug nutzen, wieder den Launen der kalten Jahreszeit ausgeliefert. Spätestens jetzt, in Erinnerung an hitzige Tage in Sardinien, Griechenland oder wo immer Ihr in südlichen Gefilden wart, lohnt es sich, einmal einen Gedanken an die Nachrüstung des Fahrzeuges mit einer Standheizung verschwenden. Im Folgenden ein kleiner Überblick:

Fast alle Standheizungen lassen sich gesteuert von einer digitalen Uhr zu voreingestellten Zeiten ein- und ausschalten. Auch Fernbedienung über Funk oder Handy gibt es schon. Mit ver(s)teuertem Diesel oder Benzin aus dem Fahrzeugtank betrieben, erfordern Standheizungen weder Gasanlage noch Brennstofftank.    Eberspächer

Wasserheizung

Eberspächer   
Zum Beispiel dieses nette, sehr kompakte, 2,8 kg leichte Teil (Eberspächer) erwärmt mit 5000 W Heizleistung die Kühlflüssigkeit und den Fahrzeugmotor. Durch elektronische Aufschaltung des Fahrzeuglüfters gelangt die Wärme zur vereisten Windschutzscheibe, ins Fahrerhaus und den Innenraum des Wohnmobils, dort allerdings eben nur so weit, wie bei der serienmäßigen Fahrzeugheizung auch. Dem Motor bleiben verbrauchs- und verschleißintensive Kaltstarts erspart, der Fahrer kann sich an vorgewärmtem Fahrerhaus und eisfreien Scheiben erfreuen. Das Geräuschniveau von Wasserheizgeräten ist in der Regel sehr niedrig.

Wasserheizungen sind zur kurzzeitigen Vorwärmung von Motor und Innenraum konzipiert. Je nach Bauart des Mobils kann eine solche Lösung als alleinige Heizung bei winterlichen Übernachtungen ungeeignet sein - etwa wenn die Wärme aus der Fahrzeugheizung nicht bis dahin vordringt, wo man sie gerne haben möchte. Der Stromverbrauch ist wegen der Wasserpumpe erheblich höher als bei der Luftheizung, und erfordert bei längerem Betrieb eine entsprechend dimensionierte Batterie. Gegen einen Dauerbetrieb spricht auch der Energieverlust über den erwärmten Motorblock.     Webasto

Luftheizung

Für die Besitzer luftgekühlte Fahrzeuge kommen als Standheizung ausschließlich Luftheizgeräte in Frage. Aber auch wer noch keine Gasheizung im Fahrzeug hat, oder generell dem Gas im WoMo absagt, wird die Ausstattung mit einem Luftheizgerät in Erwägung ziehen. Prinzipbedingt ist hierbei eine Motorvorwärmung nicht realisierbar. Dafür kommt die erzeugte Wärme vollständig der Heizung des Innenraumes zugute. Im Gegensatz zur Wasserheizung ist die spontane Erwärmung des Fahrzeuginneren sehr beindruckend.

   Eberspächer
Brennstoffdurst und Stromhunger sind geringer als bei Wasserheizgeräten. Luftheizer eignen sich daher durchaus auch als Ersatz für eine Gasheizung. Gegenüber dieser liegt ein Schönheitsfehler mancher Luftheizer im deutlich vernehmbaren Lüftergeräusch und, je nachdem wo das Abgas austritt, in der äußeren Geruchsentwicklung. Aus diesem Grund sind Luftheizer nicht immer gerne gesehen (gehört und gerochen) auf den Campingplätzen. Die Hersteller versichern übrigens auf ihren Websites, ihre aktuellen Produkte seien sehr leise.
 

Zahlen

Die Wärmeleistung in Frage kommender Standheizungen liegt je nach Größe des Mobils zwischen 2 bis 10 kW. Viele Geräte lassen sich auch in Teillast bei ca. 20 bis 50% ihrer Leistung betreiben. Luftheizer können bei gleicher Fahrzeuggröße kleiner dimensioniert werden als Wasserheizgeräte, da sie Motor und Kühlmittel nicht miterwärmen müssen. Der Verbrauch moderner Standheizungen liegt je nach Bauart, Kraftstoff- und Betriebsart (Voll-/Teillast) zwischen 0,11 und 0,15 Litern Brennstoff pro erzeugte Kilowattstunde Wärme. Ein Augenmerk sollte auch dem Strombedarf von ca. 8 bis 80 W gelten, der aus der Bordbatterie bestritten werden muss.
Die Preise für Standheizungen liegen in Größenordnungen von 1000,- bis 3000,- DM . Für den Einbau sind je nach Umfang der Arbeiten 4 bis 8 Werkstattstunden zu veranschlagen.
 

Wärme aus der Steckdose

  WAECO
Eine etwas billigere Alternative mit stark eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten verwendet das Stromnetz als Energielieferant. Folgende Komponenten können einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen: Elektrischer Innenraumheizer, Heizelement zur Motorvorwärmung, Zeitschaltuhr und Batterieladegerät. (Die Abbildung zeigt die höchste Ausbaustufe.)
Zur Motorvorwärmung wird ein Frostschutzstopfen* im Motorblock durch das Heizelement ersetzt. Das System verwendet für den Netzanschluss keine CEE-Dose, sondern eine Eigenentwicklung. Allerdings benötigt man eben 220V Netzstrom in der Nähe, die Leistungsaufnahme ist mit z.B. 1400 Watt für den Innenraumheizer auch nicht vernachlässigbar klein. (Wer mag, kann auch mal seinen Strompreis mit dem Preis des Kraftstoffverbrauchs oben vergleichen.)

*Frostschutzstopfen sind in die Außenwand des Motorblocks eingepresste Blechdeckel von ca. 4-8 cm Durchmesser. Sie werden, falls das Kühlmittel trotz aller Vorsicht doch mal gefriert, aus ihrem Sitz gedrückt, geben den Eiskristallen den Weg frei, und verhindern so wenigstens die gänzliche Zerstörung des Motorblocks.
 

Fazit

Ich finde, es gibt also doch schon einige Möglichkeiten, sich den Winter etwas angenehmer zu machen. Gleichzeitig kann man auch etwas für den Werterhalt des Fahrzeugs tun, und die Lebensdauer des Motors durch weniger Kaltstarts und kürzere Warmlaufzeiten verlängern. Wie üblich hat auch hier die Annehmlichkeit ihren Preis. Über den geben die Webseiten der Hersteller teilweise ausführlich Auskunft, auch technische Daten und Händleradressen sind dort zu finden.

Hier einige Links, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die Bilder dieses Artikels stammen aus den Webauftritten der genannten Firmen.
Für Fragen und Ergänzungen steht wie gewohnt das Wohnmobile.net Forum zur Verfügung.

Auch im Winter allzeit gute Fahrt wünscht Euch

Euer Josef

 
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