"Unser Vorhaben hätten wir ohne das
Reisemobil wohl kaum erfolgreich zu
Ende
bringen können. Fast freundschaftlich klopft
Andreas
Schneider auf den Kotflügel des
Alkovenmobils Bürstner A 730 -
Begleiter einer
ungewöhnlichen Fahrt: Innerhalb von 13
Wochen sind
Schneider und sein Reisemobil
mehr als 5.000 Kilometer durch alle
16
deutschen Bundesländer getourt. Das Mobil
war mir ein
ebenso wichtiger Partner wie meine
Frau Regina und mein Freund Jürgen
Wolf, die
mich betreuten.
Der Mann, der so uneigennützig von seinem größten Abenteuer berichtet, müßte vielmehr stolz auf seine Leistung sein: Andreas Schneider, 36, legte die 5.000-Kilometer-Distanz im Sitz eines Sopur-Rennrollstuhles zurück. Sein Körper war sein Motor, ausschließlich Muskelkraft und seine Hände trieben ihn voran während seines Projekts "Sport-Aid-Tour". Mit dem warb der seit neun Jahren Querschnittgelähmte für die Integration behinderter Kinder und sammelte Spenden. Schneider wollte Kinder und Jugendliche zudem motivieren, sich trotz Behinderung Ziele zu setzen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben.
Die strapaziöse Reise für einen guten Zweck hatte sich der sportlive Rollstuhlfahrer aus Bremen während eines Urlaubs in den USA in den Kopf gesetzt: Dort hatte er während eines Urlaubs ein gemietetes Reisemobil als Begleitfahrzeug genutzt, als er im Rollstuhl Florida durchquerte. Dasi, so beschloß er, müsse doch auch in Deutschland möglich sein.
Mehr als ein Jahr lang dauerten Planung und
Vorbereitung der Sport-Aid-Tour,
wie er das
Unternehmen benannte. Eine der Hauptrollen
kam dabei dem von
einem Sponsor
bereitgestellten Reisemobil zu: Das nicht
einmal
behindertengerecht ausgestattete Serien-Mobil
mußte
schließlich als Wohnraum und Ruhezone
dienen können und in der
Lage sein, drei
komplette Rennrollstühle, Ersatzteile,
ein
Begleitfahrrad, Unmengen von Prospekten für
die Aktionen sowie
normalen Reisebedarf
aufzunehmen. Außerdem schlug Schneiders
Freund
und Begleiter Jürgen Wolf, 40, im
Bürstner-Mobil sein
Tour-Büro auf, um von
unterwegs Veranstaltungen zu organisieren
und
Termine zu koordinieren.
Schließlich kamen die Rollstühle -mit Kabelbindern befestigt- aufs Dach des Wagens, die unteren Staufächer nahmen die Ersatzteile auf. Dennoch blieb im Innenraum gerade mal Platz für Kleidung, Lebensmittel und zwei Begleiter: Die Sitzgruppe im Heck war als ständige Bettfläche für Andreas Schneider vorgesehen.
Beim traditionellen Vegesacker Hafenfest in Bremen fiel dann am 6. Juni vergangenen Jahres der Startschuß zur Sport-Aid-Tour, in deren Verlauf bis zum 5. September Andreas Schneider und seine Begleiter viel erlebten: schweren Sturm und brütende Hitze, quälende Berg- und rasante Talfahrten. Mal landete der rasende Rollifahrer im Straßengraben, mal konnte er gerade noch in einer Wiese ausrollen: Auch in solchen Situationen erwies sich das Reisemobil als ein guter Partner. Nach Schreck und Nässe bot er ein Zuhause, und manchmal wurde er dann eben zum fahrenden Lazarett.
Der Bürstner war außerdem für den Rollstuhlfahrer während seiner bis zu 100 Kilometer langen Tagesetappen auf der Straße perfekte Absicherung vor dem Verkehr, Schutz vor Wind und oft auch nur einfach ein gutes Gefühl.
Mittlerweile hat Andreas Schneider mit seinem Helfer-Team seine Sport-Aid-Tour ausgewertet und berichtet in Jugendclubs und Behinderten-Einrichtungen von der Unternehmung. Gut 50.000 Mark sind an Spenden für verschiedene Objekte zusammengekommen - darauf ist er ganz besonders stolz.
So sehr, daß er neue Abenteuer angehen will. Im Sommer wird er wieder nach Florida fliegen. Und dann in den Everglades die Alligator-Alley bezwingen, die Straße der Alligatoren. Für das Jahr darauf hat er dann wieder Europa im Visier: Andreas Schneider plant schon jetzt einen Rollstuhl-Trip durch die baltischen Staaten. Ein wahrhaft reisemobiler Typ.
Quelle: "REISEMOBIL INTERNATIONAL" 06/99 (http://www.reisemobil-international.de) , die Monatszeitschrift für für Wohnwagen-Fans.
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