Kabeltrommel und Pullover

Reisemobilkauf wird leichter
Endlich Klarheit bei den Zuladungsreserven

Gewissenhafte Fahrer von Reisemobilen waren schon immer auch fit in Physik und Mathematik. Denn um ihre Gefährte auf dem Trip in den Urlaub mit Pfannen, Pullovern, Fahrrädern und Campingmöbeln und anderem Gepäck nicht zu überladen, rechneten sie vor dem Start hoch, womit sie ihr Mobil beschweren wollten. Der Grund: Ist mehr Zuladung als erlaubt an Bord, kann die Polizei anordnen, Übergewicht noch am Ort der Kontrolle auszuladen. Überdies können überladene Mobile in Gefahrensituationen schnell aus der Spur geraten und die Bremsen überfordern.

Wer auf der sicheren Seite sein wollte, mußte sich bei seinen Berechnungen auf Angaben aus den technischen Unterlagen des jeweiligen Fahrzeugherstellers stützen, die häufig nicht sonderlich erhellend waren. Das störte auch potentielle Käufer von Reisemobilen, die bei der Auswahl nie genau abschätzen konnten, ob Ihr Wunschmobil tragen durfte, was sie so mit auf die Reise nehmen wollten.

Seit Oktober vergangenen Jahres nun gibt es eine europäische Norm, die EN 16446-2, die alles bessern soll. Zwar hat sie nicht unbedingt Gesetzeskraft, doch fast alle Hersteller sind zur Zeit dabei, ihre Mobile nach dieser neuen Norm zu messen und die Zahlen an die Verbraucher weiterzugeben.

Und so will die Regelung mehr Klarheit ins Reisemobil bringen: Als erstes müssen die Hersteller zum Leergewicht pro zugelassenem Sitzplatz 75 Kilogramm als angenommene Besatzung addieren. Dann kommen unumgängliche Vorräte dazu: Gastanks und -flaschen Frischwassertanks mit 90 Prozent ihres Inhalts, Boiler, Warmwasserheizung zu 100. Und weil sie jeder Camper braucht, eine vier Kilo schwere Kabeltrommel.

Im nächsten Schritt fordert die Norm eine simulierte Berchnung von Krims und Krams: pro Person und pro Meter Länge des Reisemobils zehn Kilogramm - macht zum Beispiel im Falle eines für sechs Personen zugelassenen Sieben-Meter-Mobils rund 130 Kilogramm. Und hier nimmt sie es ganz genau: Sie fordert eine Musterbeladung, die benennt, in welchem Staufach wieviel ruht. Also beispielsweise 50 Kilo im Kühlschrank, 25 im Kleiderschrank und fünf Kilo für Pullover in einem der Dachhängeschränke im Heck. Auf diese Weise ergeben sich nun präzise Achslasten, wichtige Angaben, die zuvor der Reisemobilist nicht erkennen konnte - es sei denn, er las die Fachzeitschrift REISEMOBIL INTERNATIONAL, die seit fast zehn Jahren Mobile auf diese Weise testet.

Schließlich müssen die Hersteller dann noch das Gewicht für Zusatzausstattungen wie Markisen oder Zweiradträger nennen, ebenfalls wieder aufgeschlüsselt nach Lastmomenten, die auf die Achsen wirken.

Alles das wird demnächst in Tabellen einfließen, die Reisemobilfahrer dann in den Prospekten der Hersteller studieren können. Ein gutes Stück mehr Transparenz - weshalb auch die Tester von REISEMOBIL INTERNATIONAL, die in ihrem April-Heft das Verfahren ausführlich beschreiben, künftig die Probanden nach der neuen Richtlinie prüfen werden. Dennoch geben sie weiterhin für den Alltag des Reisemobilisten den Tip: vor der Reise mit dem Mobil, mit Sack und Pack und allen Mitfahrern auf eine öffentliche Waage fahren. Wenn die ausweise, daß die Fuhre das zulässige Gesamtgewicht nicht überschreite, könne es munter und fernwehbewegt losgehen.

Quelle: "CAMPING, CARS & CARAVANS" 04/99 (http://www.reisemobil-international.de) für Wohnwagen-Fans. Diese Seite weiterempfehlen

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