Faltsack und hängende Schränke

Frische Ideen für Campingbusse
Junge Designerin läßt sich Verblüffendes für den VW-Bus einfallen.

Daß sich deutsche Hochschulen mit Camping befassen, hat Seltenheitswert. Die 30jährige Tanja Krause fand das wenig befriedigend und tat etwas dagegen. Sie lieferte an der Fachhochschule für Design und Medien in Hannover eine Diplomarbeit zum Thema "Mobiles Wohnen - Mobiles Leben" ab und ergatterte mit ihrer Studie zum Innenleben kompakter Reisemobile die Note 1,7.

Erste Schritte in der Branche der Freizeitfahrzeug-Hersteller hatte Tanja Krause im Rahmen ihrer Diplomarbeit bei VW gemacht. Schließlich rollen in Hannover die Basismodelle T4 vom Band, im Volksmund noch immer häufig Bulli genannt. Im Werk erhielt sie die nötige Unterstützung: "Ein guter Rückhalt."

Ihr Konzept hat Tanja Krause in einem VW T4 mit langem Radstand und Hochdach umgesetzt. "Meine Ideen hatte ich, weil ich selbst campe und aktiv Sport treibe", sagt die Designerin. Und deshalb ließ sie sich für den Innenraum einiges einfallen:

zum Beispiel einen Faltsack, der sich bis zu 230 Zentimetern spreizt. Hinein passen Skier, sogar ein Faltboot soll Platz darin finden. Ist nichts Sperriges zu transportieren, läßt sich das Behältnis wie eine Ziehharmonika zusammenschieben. Stoffschränke hängen an einer Schiene umlaufend im gesamten Wohnbereich des Mobils. So sind sie an beliebigen Stellen zu montieren. Eine zweite Schiene verhindert, daß die großvolumigen Staufächer umherbaumeln. Kommen die Hängeschränke nicht zum Einsatz, machen sie sich klein. Die Tischplatte besteht aus einzelnen Lamellen, die zwei textile Bänder von hinten verbinden. So läßt sich die Platte ausziehen. Der Küchenblock ist herausnehmbar, damit sich bei schönem Wetter auch draußen kochen läßt. Das Möbel beherbergt am Boden eine Fünf-Liter-Gasflasche. Darüber sitzt ein Frisch- und Abwasserkanister. Die obere Spülebene ist um 90 Grad drehbar, um einen zweiflammigen Gaskocher freizugeben. Der Drehpunkt ist ein Rohr, in dessen Buchse der Wasserhahn sitzt.

Den Rest des Innenraums bildet ein Hochschrank für Heizung, Kühlschrank und weiteren Stauraum. Staukästen befinden sich obendrein unter der hinteren Sitzbank.

Ob sich Tanja Krauses Ideen demnächst in Serienreisemobilen wiederfinden, bleibt abzuwarten. Gern würde die junge Industriedesignerin zeigen, daß ihr Konzept in der Praxis taugt. Noch sucht sie einen Hersteller, der genug Mut hat, um ihre unkonventionellen Ideen zu verwirklichen

Quelle: "REISEMOBIL INTERNATIONAL" 04/99 (http://www.reisemobil-international.de) für Wohnmobil-Fans. Diese Seite weiterempfehlen

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