Weltrekord auf vier Achsen

Das größte Wohnmobil der Welt steht in Deutschland - und zum Verkauf
18 Meter Länge, zwei Stockwerke, 440 PS

Quelle (Text und Fotos): "REISEMOBIL INTERNATIONAL" 12/98, Monatszeitschrift fr Wohnmobilfans.

Wer jemals eine Messe von Wohnmobilen besucht hat, weiß es: Für gutbetuchte Zeitgenossen gibt es Fahrzeuge, die das Format üblicher Campingplätze sprengen. Besonders amerikanische Hersteller mögen es üppig und fertigen zuweilen wahre Campinggiganten.

Und dennoch steht der Welt größtes Reisemobil nicht in den USA, sondern bei Gifhorn in Niedersachsen, wie die Monatszeitschrift REISEMOBIL INTERNATIONAL in ihrer Dezemberausgabe meldet. Den Superlativ hat auch quasiamtlich die Redaktion des "Guinness Buch der Rekorde " im Oktober 1997 unter der Registriernummer 880098 anerkannt.

In seinem früheren Leben war das Rekord-Reisemobil schon einmal Weltmeister: Im Jahr 1975 rollte es erstmals auf die Straße-als weltgrößter straßentauglicher Serienbus: 18 Meter lang, 2,50 Meter breit und vier Meter hoch. Nur neun Exemplare der Jumbo-Cruiser genannten Gelenkkonstruktionen für 144 Reisende entstanden damals. Sie waren als Konkurrenz zum Flugzeug auf Strecken zwischen Deutschland und Spanien oder Jugoslawien gedacht. Das nunmehr größte Reisemobil der Welt trägt die Seriennummer eins - und ist der letzte der Neun..

Das zweite glanzvolle Leben des Ungetüms begann 1993, als zwei Brüder in ihrem süddeutschen Handwerksbetrieb den Weltrekordler ausbeinten, um ihn anschließend zum Nobelmobil aufzurüsten. 20.000 Arbeitsstunden stecken im Gefährt, sogar die gesamte Alu-Beplankung ist neu. Motor und Getriebe haben gerade einmal 5.000 Kilometer auf der Uhr, abgespult in anderthalb Jahren, die der Bus als Werbefahrzeug für große Firmen durch Deutschland tingelte.

Dennoch sieht das Konzept dieses Busses dessen Einsatz als Reisemobil vor. Und das sieht so aus: Der Fahrer thront auf seinem Schwebesitz vor der ersten der vier Achsen. Er blickt auf ein Armaturenbrett, überzogen mit Wurzelholz. Der Fahrgastraum im Rücken des Chauffeurs bietet auf schwarzgelben Ledersitzen neun Personen Platz.

Ein grau-weiß-melierter Kieselharzboden leitet weiter nach hinten in die VIP-Lounge, wo eine fünf Meter lange Bar prangt - natürlich aus edlen Materialien: Wurzelholz, Edelstahl, Aluminium, Corian und Spiegelglas. Die Theke enthält neben den obligatorischen Attributen wie Kühl-, Gläser- und Flaschenschrank einen EDV-Arbeitsplatz sowie die Zentrale für Alarm- und Energiesysteme. Was an der Bar gemixt wird, läßt sich auf einer Designercouch nippen, deren Leder die gleichen Farben trägt wie die vorderen Sitze. Dezent beleuchten Halogenlampen den Raum.

Im hinteren Teil des Erdgeschosses findet der Reisemobilist eine Garage, die einem Kleinwagen à la Smart Unterschlupf gewährt. Dort ruht auch ein ganzes Lager aus Stangen und Stoffbahnen, das sich in mehrstündigem Einsatz zu einer 30 Quadratmeter großen Dachterrasse und zu einem riesigen Vorzelt auf- und anbauen läßt.

In den oberen Stock des Busses führt eine metallene Treppe. Dort befinden sich in der Belle Etage die Räume für den privaten Rückzug: zum Beispiel ein Schlafgemach mit. einem elektrisch verstellbaren französischen Bett, umgeben von dunkel getönten Panoramascheiben. Im Wohnraum stehen sich zwei Designercouchen gegenüber, Musik ertönt aus einer Stereoanlage von Bang & Olufsen. Die Wände sind mit hellbeigem und der Boden mit hellgrauem Teppich bezogen, flauschiger Velours verschluckt jeden Schritt. Nach hinten schließt sich die Küche an. Auch hier das, worauf Camper mit genügend Kleingeld nicht verzichten wollen: großer Kühlschrank, Ceranfeld, Mikrowelle, Backofen und Geschirrspüler.

Im Drehkranz, dem Gelenk des Busses, befindet sich im Oberdeck eine Art Separee: zwei gerundete Sitzbänke aus schwarzem Leder, umrahmt von einem Faltenbalg-Volon aus grauem Velours. Bei Bedarf trennen zwei Vorhänge optisch das Separee- oder den vorderen vom hinteren Teil des Busses.

Etwa dann, wenn jemand den hinteren Teil des Obergeschosses zur Ruhe nutzt. Hier steht ein zwei mal zwei Meter großes Klappbett bereit. Direkt im Anschluß an diese Luxuskoje eröffnet sich das komplett schwarzweiß geflieste Bad, natürlich mit separater Duschkabine. Und vom Bad aus führt eine Treppe hinab in die Garage im Heck des Untergeschosses.

Noch ist eine Firma Eigentümer des Rekordhalters ("Blickfang" in Neudorf-Platendorf). Noch - denn das Dickschiff steht zum Verkauf. Wer es erwirbt, muß einen deutlich siebenstelligen Preis berappen. Dafür erhält er aber nicht nur einen maximal 28 Tonnen schweren Weltrekordler mit einem 440 PS starken Zwöfzylinder-Diesel, er besitzt dann auch ein Mobil, das mit seinen 18 Metern Außenlänge in Deutschland voraussichtlich nie mehr übertroffen werden wird. Für Neufahrzeuge gilt heute eine maximal zulässige Außenlänge von 15 Metern.

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