Re: Funktion Zündgerät

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geschrieben von Ulf am Dienstag, 26. Juli 2016 11:07 Uhr

Als Antwort auf : "Funktion Zündgerät":

Hallo Scout,

meine Antwort kommt spät aber sie kommt ausführlich :


Das Prinzip der thermoelektrischen Zündsicherung (das Thermoelement)

Die thermoelektrische Zündsicherung hat die Aufgabe der Flammenüberwachung. Verlischt die Flamme, muss die Zündsicherung zuverlässig dafür sorgen, dass spätestens nach 60 Sec. kein Gas mehr ausströmt! Und das Gasventil geschlossen ist

Um dieses Ziel zu erreichen, bedient man sich bei Gas-Geräten, die mit offener, sichtbarer Flamme arbeiten, der thermoelektrischen Zündsicherung.

Die Funktionsweise:
Das eigentliche Thermoelement besteht, rein optisch, aus einer Metallhülse mit einem kapillarartigen Rohr. Die Metallhülse ist am Brenner, in den Flammenrand hineinragend, positioniert. Das Thermoelement (in der Hülse) selber besteht aus zwei unterschiedlichen Metallen, die, wenn sie beheizt werden, eine geringfügige Spannung (hier die Thermospannung) erzeugen.

Ist der Bedienknebel gedrückt und entsprechend positioniert, wird das Gasventil geöffnet und (z.B. die Zündelektronik) gezündet. Der Knebel muss nach der erfolgten Zündung noch weitere 5-10 Sekunden gedrückt gehalten werden. In dieser Zeit erwärmt sich das Thermoelement und baut die Thermospannung (wenige mV) auf. Diese Spannung hält das Magnetventil im Gashahn geöffnet. In der Startphase wird das Magnetventil durch das Drücken von Hand mechanisch offen gehalten. Bei steigender Thermospannung bleibt das Ventil dann, solange Spannung anliegt, selbsttätig geöffnet.

Erlischt die Flamme, durch welchen Umstand auch immer, so wird das Thermoelement nicht mehr erwärmt und die Spannung bricht zusammen. Das Gasventil wird nun, bedingt durch die Kraft einer Schließfeder, geschlossen. Damit ist die Gaszufuhr sicher unterbrochen!

Die wesentlichen Bestandteile sind:
Das Thermoelement, eine Magnetspule mit Weicheisenkern, ein Gassicherheitsventil mit Feder und "eiserner" Ankerplatte. Wird das Thermoelement mit Wärme beaufschlagt, entsteht ein Thermostrom, der über die Magnetspule fließt und den Weicheisenkern magnetisiert. Durch das Andrücken (per Hand/Knebel) der Ankerplatte wird das Gasventil geöffnet und offen gehalten so lange, wie Spannung anliegt. Fällt die Wärmequelle (Zündflamme) ab, verringert sich die Spannung und somit der Strom sowie die magnetische Kraft. Ist die Federkraft größer als die magnetische Kraft, löst sich die Ankerplatte, das "Gassicherheitsventil" wird geschlossen.

Der Gasthermostat
Zusätzlich zu der oben beschriebenen Funktion kann der Gasthermostat (nur wenige Geräte sind mit diesem System ausgerüstet) automatisch Regeln. Wird eine bestimmte Temperatur eingestellt, öffnet die Gasarmatur. Das ausströmende Gas wird über die Stützflamme gezündet. Nach Erreichen der Solltemperatur wird die Gaszufuhr durch den Gas-Thermostaten geschlossen. Nur die Stützflamme brennt weiter. Hier ist die Zündsicherung auf die Stützflamme abgestellt.

Die Ionisation-Zündüberwachung
Diese wird z.B. bei AES Geräten eingesetzt. Hier macht man sich zunutze, dass Gasflammen im geringen Maße elektrisch leitend sind.
Die Hauptbauteile, die für den Betrieb des Gerätes zuständig sind, die AES-Elektronik, das Magnetventil zur Gasfreigabe, die Zündeinrichtung und natürlich der Brenner.
Durch betätigen des Bedienknebels wird die Elektronik angesteuert, diese öffnet zeitgleich ein Magnetventil und setzt den Zündtrafo in Betrieb. Das Gas strömt zum Brenner und muss sich innerhalb von 5 -10 Sekunden entzünden. Am Brenner (Reigniter) liegt während der Inbetriebnahme eine sehr schwache Spannung an (kommt von der Elektronik), die über die entstehenden Flammen und einer Elektrode (abgewinkelter Draht) an die Elektronik zurück geführt werden soll. Entzündet sich das Gas nicht, kann die Spannung nicht erkannt werden. Die Elektronik interpretiert „keine Spannung“ daher, innerhalb der vorgegebenen Zeit, dass das Gas nicht entzündet wurde und schließt das Gasventil. Auch der Zündtrafo wird außer Betrieb gesetzt. Nach einer fest vorgegebenen Zeit (vorausgesetzt der Knebel steht noch in Position „Ein“) wird ein erneuter Zündversuch gestartet usw.
Wird jedoch das Gas entzündet, erhält die Elektronik das erwartete Signal „Spannung vorhanden“ und die Gaszufuhr bleibt geöffnet.

Diese Geräte werden im Gegensatz zu "normalen" Kühlgeräten nicht über ein stufenlos einstellbares Gasventil auf unterschiedliche Leistungen gestellt, sondern kennen nur die volle Brennerleistung.
Da diese nicht immer benötigt wird, wird der Brenner, entsprechend der vom Anwender gewählten Leistung, getaktet. D.h., der Brenner geht bei erreichter Temperatur aus, um nach Ansteigen der Temperatur wieder zu starten.

Mögliche Probleme und ihre Lösungen
Die Zündsicherung wird betätigt (der Knebel wird gedrückt und gedreht), die Flamme zündet verlischt aber nach dem Loslassen des Knebels – die Taktzündung versucht weiter zu zünden.

Für das geschilderte Problem kommen mehrere Möglichkeiten in Frage. Die Ursachen in der wahrscheinlichsten Reihenfolge:

1.) Der Knebel wird nicht lange genug gedrückt gehalten (bis zu ca. 20 Se.) somit reicht der Thermostrom noch nicht zur Selbsthalterung. Abhilfe: Länger den Knebel gedrückt halten.

2.) Der Knebel kann nicht tief genug eingedrückt werden. Dadurch erreicht der Zündsicherungsmagnet nicht seine Selbsthalterungsposition. Abhilfe: Knebel abziehen und mit einer geeigneten Zange (vorsichtig) die Achse eindrücken und entsprechend verdrehen. Wenn nun nach ca. 20 Se. die Zündsicherung einwandfrei arbeitet (die Flamme also nicht mehr verlischt), kann ein geeignetes Stück Kunststoff, kleine Mutter usw. in den Achsschacht des Knebels eingebracht werden. Dadurch vergrößert sich der Abstand zwischen Knebel und Schalterblende und die Funktion ist wieder vorhanden. Hilft dies nicht, kann die Positionsmechanik (Gestänge) entsprechen eingestellt/nachgestellt werden. Hierzu muss der Schalterblende allerdings demontiert werden – Achtung dies ist nur für geübte Finger zu empfehlen!

3.) Der Brenner bzw. die Düse ist verschmutzt, dadurch wird das Thermoelement nicht beheizt und kein Thermostrom erzeugt. Die Folge ist neben dem Leistungsverlust, dass die Gassicherung ständig schließen, wenn der Knebel losgelassen wird. Den Brenner kann man mit Hilfe von Druckluft gut reinigen. Die Gasdüse sollte nur gemeinsam mit Brenner ersetzt werden.

4.) Das Thermoelement liegt nicht richtig am Flammenrand und wird nicht ausreichend beheizt. Das Thermoelement, vorsichtig (!), so an dem Flammenrand positionieren, dass der Flammenrand großflächig das Thermoelement beheizen kann.

5.) Der entsprechende Schaltkontakt (6a – 6b, siehe auch Bedienungsanleitung) des Energieart-Wahlschalters ist def. (Hochohmig) und unterbricht den Thermostrom (AT nur durch Fachkraft, anschließend Elektrosicherheitsprüfung und Gasprüfung!).

Die eventuell benötigten Ersatzteile: Wahlschalter, Brenner liegen so bei je ca. 20 / 30 €. Die benötigte Arbeitszeit (wenn alles zugänglich ist, also ohne Ausbau des Gerätes!) sollte nicht mehr als 1 Stunde betragen. Genaue Ersatzteilpreise können bei Dometic erfragt werden. Dazu ist es von Vorteil, wenn nicht nur die Gerätebezeichnung, also RM xxxx, sondern auch die Erzeugnisnummer bekannt ist. Diese normalerweise 9 stellige Nummer beginnt mit einer 9 und befindet sich auf den Typenschild im Gerät – linke bzw. rechte Innenseitenwand.

Alle Angaben sind ausschließlich privat. Aus ihnen können keinerlei Rechte oder Haftungen abgeleitet werden. Ausdrücklich weise ich auf das Einhalten der einschlägigen Sicherheitsbestimmungen, besonders VDE 0701 und DVGW 607, hin! Nur ausgebildeten Fachkräften / Betrieben ist es gestattet entsprechende Arbeiten durchzuführen. Nicht fachgerecht ausgeführte Reparaturen können zu tödlichen Unfällen führen und wirken sich häufig auch auf Unbeteiligte aus! Wer dennoch selber Hand anlegt, sollte „unbedingt“ die eigenen Arbeiten durch einen Fachbetrieb prüfen lassen!


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