geschrieben von Gerhard Sommer am Sonntag, 23. Juli 2006 12:07 Uhr
Als Antwort auf : "Re: Danfoss BD2":
Hallo an alle Bastler!
Nachdem eine von mir reparierte Elektronik 102N3017 zum BD2 102Z3013 einen dreiwöchigen Urlaub überlebt hat, möchte ich meine Erfahrungen gerne weiterreichen, schon nur aus Ärger über den Lieferanten, der Informationen nicht herausgibt, selbst wenn das Produkt gar nicht mehr hergestellt wird und wenn doch die zugehörigen Patente öffentlich einsehbar sind.
Um die Motorelektronik (sprich die Gewinnung des Kommutierungssignals für den bürstenlosen Gleichstrommotor) im Detail zu verstehen, sollte man folgende Patente lesen:
http://www.freepatentsonline.com/4065706.pdf
http://www.freepatentsonline.com/4096420.pdf
http://www.freepatentsonline.com/4097788.pdf
Hier gibt es eine Anleitung zum Testen der Motorwicklungen:
http://www.cruisersforum.com/forums/archive/index.php/t-1394.html
.....wobei sich ein Tippfehler eingeschlichen haben dürfte. Der Gemeinsame Pol ist Pin 3, alle Messungen müssten sich gegen diesen beziehen. Dieser Anschluss liegt fix an +12 V, die Hauptwicklungen werden von den Leistungstransistoren gegen Masse geschaltet.
Verschiedentlich liest man auch andere Werte für die beiden Hauptstränge des Motors, aber bei so kleinen Widerstandwerten misst man wohl hauptsächlich nur mehr die Übergangswiderstände der Strippen und der Klemmen! 3,5 Ohm für die Sensorwicklung scheinen gesichert zu sein, der Wert wird immer wieder genannt und auch ich habe ihn genauso gemessen.
Alles weiter gesagte bezieht sich natürlich nur auf die bei mir vorhandene Elektronik und auf meine eigene bescheidene Sichtweise. Schlussfolgerungen muss jeder selbst ziehen und die Folgen seiner Handlungen selbst bedenken (sorry, ich kann keine Haftungen übernehmen). Auch kann ich natürlich nicht garantieren, dass bei anderen Geräten nicht andere Drahtfarben verwendet oder das Platinenlayout geändert wurde!
Abgesehen von obiger Lektüre würde ich noch für erforderlich halten:
Grundkenntnisse in Analog- und Digitaltechnik, eine gewisses „Feeling“ für Motoren.
Eine kurzschlussfeste Gleichspannungsquelle (ich habe ein Netzgerät mit 10A Strombegrenzung erfolgreich verwendet). Manch erforderliches Herumprobieren könnte sonst den Motor oder die Servotransistoren in die ewigen Bastlergründe befördern.
Gute Dienste hat auch einfaches Oszilloskop geleistet.
Löten sollte man noch können und sich darüber ärgern, dass die Platine mit Schutzlack überzogen ist und sich dieser nur mühsam „durchbrennen“ lässt.
(Ich hoffe, diese relativ hochgestochenen Empfehlungen kommen niemandem in die falsche Kehle. Aber nur so glaube ich zusätzliche Defekte verhindern zu können.)
Was war mein Problem: der Kompressor BD2 lief nicht mehr an, sondern piepste nur in regelmäßigen Zeitabständen. (Die Stellungserkennung des Rotors funktionierte nicht und die Strombegrenzungsschaltung sprach an. Dieses typische Piepsen hört man beim normalen Anlauf ja auch, die Frequenz wird durch ein RC-Glied in der Strombegrenzungsschaltung vorgegeben. Im Normalzustand genügen die kurzen Stromimpulse um den Rotor in Bewegung zu setzen. Bei steigender Drehzahl werden die Begrenzungsimpulseimpulse in den Motorsträngen kürzer, dann erfolgt die Strombegrenzung durch die Induktivität alleine. Über Gegen-EMK könnte man auch noch nachdenken. )
Ich habe jetzt die Drähte zu den Motorsträngen ausgelötet (in meinem Fall blau und schwarz) und durch kurzes Antippen gegen minus 12 V den Rotor in Bewegung versetzt. So war klar, dass beide Wicklungen brauchbar sind und keine mechanische Blockierung vorlag. Hier liegt auch der Grund meiner Empfehlung einer strombegrenzenden Spannungsquelle. Direkt an einer Batterie würde man wohl die Sicherung abschießen oder gar den Motor verheizen.
Der Stellungssensor (siehe Patente!!!) beeinflusst einen Oszillator in kapazitiver Dreipunktschaltung (Colpitts-Schaltung), sodass dieser Oszillator in einer Rotorlage schwingt, in der anderen nicht (daraus wird durch Gleichrichtung in einer Verdopplerschaltung das Kommutierungssignal gebildet). Also ran an den (dicken) gelben Draht mit dem Oszilloskop (wegen kapazitiver Beeinflussung Abschwächertastkopf verwenden!) und siehe da – nix schwingt, in keiner Rotorlage. Also den Transistor des Oszillators getauscht (BC 548!!!) und der Oszillator ließ sich durch Weiterdrehen des Rotors (abwechselndes Masse-Tippen an den Motoreingängen) aus- und einschalten.
Also Drähte blau und schwarz wieder einlöten und: sch.......
Der Motor hüpfte kurz herum und kam zum Stillstand. Jetzt dachte ich mir, vielleicht liegt es an der Drehzahlüberwachung, die ja auch aus dem Kommutierungssignal gebildet wird. Daher brutal den Eingang des Überwachungsintegrators kurzgeschlossen und: ER LÄUFT!!!
Jetzt wollte ich doch keine Sicherheitseinrichtungen außer Betrieb nehmen und tauschte also den Steuertransistor der Überwachungsschaltung auch noch aus (wieder BC 548!!!) und die Sache war erledigt.
Die beiden getauschten Transistoren habe ich im Bild mit schwarzen Kreisen markiert.
Mit allem Lesen der Patente, Herumprobieren, Nachdenkpausen etc. wird es insgesamt wohl doch so um die acht Stunden gedauert haben, aber Lehrgeld will auch bezahlt sein! Wäre das in den Patenten versteckte Grundlagenwissen schon vorhanden gewesen, hätte es in zwei, drei Stunden auch erledigen lassen.
Abgesehen von der aufgewendeten Zeit, die man eigentlich als Fortbildung auffassen müsste, also bloß Materialaufwand im Cent-Bereich und eine Neuanschaffung um einige Hundert Euronen erspart. Ich konnte mir also für den Urlaub nicht nur die Bierfüllung meines Campingkühlschrankes leisten, sondern es war noch dazu auch köstlich kalt!
Also, liebe Bastlerkollegen, ran an den Lötkolben!
Vielen Dank noch an J.M. für die Grundinformationen, ohne die mir eine erfolgreiche Reparatur nicht möglich gewesen wäre.
Viel Erfolg wünscht
Gerhard Sommer
P.S.: leider bekomme ich die eine URL nicht hin. Warum?????
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