geschrieben von Gerhard Tetzlaff am Freitag, 12. Mai 2006 20:05 Uhr
Als Antwort auf : "Re: Batteriekonfiguration richtig?":
Hallo Hans, Hallo Berny, hallo alle zusammen!
Zum Crimpen und Löten liest man immer eine Menge, das, wenn falsch, durchaus schnell sicherheitsrelevant ist.
Zum Weichlöten: Grundsätzlich erstmal toll für den Übergangswiderstand im Kabelschuh, aber weniger toll für die feinen Kupferadern, die im Grenzbereich akut einer starken Oxydation ausgesetzt sind und schnell verspröden und dort zusätzlich einem Langzeit-Oxydationsstreß ausgesetzt sind, bei dem es zusammen mit dem Flußmittel zu einer ungünstigen Langzeitreaktion kommt, die zur Querschnittsverminderung an jeder einzelnen Ader führt. Wenn jetzt der Kabelschuh mal nicht optimal festgezogen in der Verschraubung hängen sollte, ich ziehe alle Verschraubungen einmal jährlich nach und wundere mich, wie das Kupfer des Kabelschuhs unter der Edelstahl-Scheibe doch "wegfließt" und sich abermals mit demselben Drehmoment weiter nachziehen läßt, wobei die Verteilerbolzen ja viele Kabelschuhe übereinander tragen, dann kann es auch mal hier zum höheren Übergangswiderstand kommen. Hinzu kommt, daß die Kabel hohe Massen auch auf kurzen Distanzen aufweisen und im Womo zu Schwingungen angeregt werden. Die Versprödung ist die Schwachstelle, die sich lockernde Verschraubung die zweite. Dann wird der Kabelschuh heiß und lötet sich selbst aus, wenn die Quetschung nicht stimmt.
Wenn man löten will, weil man glaubt, das Quetschen (Crimpen) nicht wirklich zu einer formschlüssigen festen Verbindung führt, dann liegt das einerseits an den vielen Fehlern, die man beim Crimpen machen kann, andererseits kann ich den aber beruhigen, der sich an die Anleitungen hält; Beispiel:
http://www.multi-contact.com/AcroFiles/Montageanleitungen/MA/MA052.pdf
Wer sich lieber das Geld für eine Crimpzange gespart hat, der sollte aufmerken:
Ich bin hier nicht gleich auf die Barrikaden gegangen, wenn empfohlen wurde, dafür doch den Schraubstock eizusetzen, aber so ein Unsinn gehört bestraft: Man verringert den wirksamen Querschnitt nicht, sondern macht aus einem ideal runden Zylinder ein Oval, mehr oder weniger plattgeqquetscht, aber im wirksamen Querschnitt noch voll da, im Gegenteil, die vom idealen Kreis abweichende Struktur hält an ihren verschiedenen Radien die Masse der Kupferadern unterschiedlich fest, was das Fließen in die Richtung des geringsten Widerstands begünstigt. Mit viel zu geringer Kraft kann man aus einem solchen nicht standardisiert verformten Kabelschuh das Kabel wieder herausziehen. Deshalb werden ja Crimpzangen auch zwangsgeführt in ihrer Quetschaktion: Ein bischen schwanger geht nicht.
Ich habe derzeit zwei Crimpzangen: Eine KLAUKE-Zange bis 50mm Quadrat, die einseitig punktuell tief quetscht und deshalb gerne zweimal an unterschiedlichen Seiten des Kabelschuhs angesetzt werden kann und eine hexagonal crimpende (den Fachausdruck dafür habe ich mal gewußt und an Hans geschrieben) Zange bis 120 mm Quadrat. Bis 50 mm Quadrat nehme ich allemal die KLAUKE.
Das Hexagonum sieht wesentlich weniger spektakulär aus, ist aber fraglos die mathematisch effektivere und allseits gleichmäßigere Querschnittsreduzierung.
Wenn ich nach dem Crimpen noch gelötet hatte, vor vier Jahren, dann so: 5mm Loch vorne über der Lochlasche des Kabelschuhs in den runden Teil gleich hinter der Abplattung bohren, Kabel ohne vorher etwa Adern zu entfernen, weils dann leichter geht, möglichst im ersten Anlauf hineinfummeln, dazu ist ein sehr scharfer Schnitt mit einer guten Kabelschere nötig, wirklich bis vorne hineinstecken und dann nach dem Quetschen mit der Lötlampe nur vorsichtig die Lochlasche erhitzen und Lötzinn durch das kleine Loch an die Kupferadern bringen. Diese Aktion wird nur solange fortgesetzt, bis einige der vielen Kupferadern eine brauchbare Verbindung mit dem Kabelschuh eingegangen sind. Keinesfalls heizt man den Kabelschuh und das Kabel solange auf, bis die Isolation schmilzt, das Lötzinn hinten wieder heraustritt und das Flußmittel noch 10 cm hoch indas Kabel hineingeflossen und -gedampft ist. Dann kann man die Hoffnung hegen, daß die Einzeladern nicht gerade da, wo es wehtut, nämlich am Einsteckloch des Kabelschuhs thermisch und oxydativ gestresst sind.
Gruß Gerhard
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