Re: Hawker Vlies - Bleiakku

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geschrieben von Gerhard Tetzlaff am Freitag, 14. April 2006 10:04 Uhr

Als Antwort auf : "Re: Hawker Vlies - Bleiakku":

Berny :
eine Moll 80100 gekauft, Wünsche der ganzen gemeinen Gemeinde Frohe Ostern!!!


Hallo zusammen!
Hallo Berny!
Erst einmal möchte ich die Ostergrüße erwidern. Gut, ich bin nicht der "Batteriespezialist", habe mir aber kurz die Moll 80100 auf der Moll-Seite angesehen. Hier haben wir den nächsten Verwandten der Starterbatterie vor uns. Es handelt sich um eine Starterbatterie mit leicht verstärkten Platten, also eine offene (die heißt in der Fachsprache: geschlossen im Ggs. zu verschlossen) nasse (sek.) Batterie, bei der man Wasser nachfüllen kann. Das ist besser, als wenn man es nicht könnte. Die Platten sind konventionell, der Hersteller nimmt nicht einmal in Anspruch, Gitterplatten einzusetzen. Das allzu schnelle Herausfallen der aktiven Massen verhindert bis zum gewissen Grad der Taschen-Vlies-Separator. Die Erwähnung von Vlies darf aber nicht dazu führen, daß hier der Irrtum erregt wird, es handele sich um eine AGM-Batterie, die heißt bei Moll dry.

Der Vorteil ist der Preis. Die Hersteller müssen sich heute nach der Decke strecken und für die Akkus geben viele Womobesitzer nicht gern Geld aus, ganz zu schweigen von den Erstausrüstern.

Der Nachteil ist die mangelnde Zyklusfestigkeit, einerseits wird über die zyklische Anwendung nichts gesagt, aber eine Anwendung empfohlen, bei der nicht mehr als 20 - 30% DoD (Entladetiefe) vorkommt. Also: um 100 Ah bei einem C20 Entladestrom (5A) zu nutzen, mußt Du 3 dieser Batterien in Dein Womo bauen. Und 5A über zwei verregnete Tage kommen in der Womoanwendung allemal vor (Kompressorkühlschrank).
Die Legierung neigt früh zum Gasen, 14,2V Ladeendspannung ist möglicherweise zuwenig für den Lichtmaschinen-Ladebetrieb. Solar, lieber Berny, ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Einschränkung in der Nutzung: Du bekommst die Nachteile der AGM, eine limitierte Ladeendspannung gratis, brauchst einen gut regelnden, temperaturgesteuerten Solarladeregler, wenn Du mehr als drei Jahre Freude an der Batterie haben willst. Viel härter als C5 solltest Du den Akku auch nicht rannehmen: Alle Nutzungen bis 20 A Entladestrom sind voll in Ordnung, nimm 3 Akkus und Du bist bei 60A. Starte damit nie ein Auto. Auch dann kann Deine Frau noch nicht den Wasserkocher am 1500W-Wechselrichter anwerfen. Für Wechselrichterbetrieb ist dieser Akku eher ungeeignet. Es sei denn, es geht um Kleinanwendungen, wie Computer-, Camcorder-, Handynetzteile usw. Der Kompressorkühlschrank wird diesen Akku in Einzelanwendung an den Rand des Ruins treiben.

Der Kernsatz lautet: jeder, der mit diesem Akku glücklich wird, braucht eigentlich keinen Strom im Womo, sondern übt Verzicht auf der ganzen Linie. Wer jetzt also antwortet: Bei mir hält der Akku schon 5 Jahre, dem sage ich: Dann hast Du ihn nicht gebraucht.

Wenn ich die "Batteriebänke" der ernsthaften Akkumulatorennutzer so Revue pssieren lassen, dann sind das beispielsweise bei egn (emil) von den Karbonfaserbatterien 6 Stück, nun, dann sind auch etwas höhere Entladeströme drin. Weil die Entladetiefe (DoD; Depth of Discharge) mit steigender Kapazität abnimmt bei einer gegebenen Anforderung, ist das das Geheimnis, warum dieselben Akkus bei dem einen gute Noten und dem nächsten schlechte Noten bekommen.

Für real und bestimmungsgemäß nutzbare 100Ah bei 5A Entladestrom sind 3x26kg für ein Wohnmobil eine unangemessen geringe Ladedichte. Du, Berny, schleppst künftig viel fragiles Blei mit Dir rum. Und als Einzelkämpfer ist dieser Akku schwach.
Aber auch die Moll dry haben von Hans Kröger schlechte Noten bekommen.

Ich habe ja über die letzten 5 Jahre von EXIDE die Antriebs- und Beleuchtungsbatterien MULTICRAFT genutzt. Die sind noch um einiges besser als die Moll 80100, ist aber auch eine, etwas entferntere Verwandte der Starterbatterie, man kann damit Rollstühle betreiben, ein Auto starten und 60% DoD bringen die etwas dickeren Platten auch nicht sofort um. Als ich das vor drei Wochen dem EXIDE Händler hier in Berlin erzählte, sagte er nur: "Der letzte Scheiß, die Dinger." Vermutlich haben ein paar Leute, die wirklich Kapazität benötigten, ihm die Dinger noch in der Garantiezeit wieder vor die Tür gestellt.

Jetzt haben ich mir 2V Zellen bestellt: CLASSIC 4OPzS 200LA, 6 Stück. Agtar empfiehlt diese Dinger in 6V Block-Ausführung.
Damit bleibe ich noch unter 100 kg Gewicht und kann bestimmungsgemäß (DOD bis 80% bei C10, das sind 20A, und das 1500 Mal: 160Ah) zum Vergleich: Die Moll 80100 kann etwa 100 Ah bei 4 Akkus (100kg) (DoD 25%) abgeben.

Einen Überblick über das ganze Profi-Zeugs vermittelt die Seite

http://www.networkpower.exide.com/sub_navig.asp?main_description_en=All_Brands&lng=de&cl=Marken

Lieber Berny, damit will ich nicht arrogant erscheinen, denn Du zahlst für Deine 4 Akkus in etwas denselben Preis und bist betuppt worden.
PS: Es gibt für die "Solar-szene" die oben genannte Einzelzellen auch als Solar zum nahezu doppelten Preis mit märchenhaften C100 Kapazitäts-Werten, drinnen sind dieselben Platten, eine Anwendung, die einfach Blödsinn ist, es sei denn, Du willst nur ein paar LEDs betreiben.

Gruß Gerhard

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