WAECO FF90 Kompressorbox versagt bei über 40°C

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geschrieben von Gerhard Tetzlaff am Sonntag, 22. August 2004 12:08 Uhr :

Hallo zusammen!
Nachdem ich aus Griechenland wieder zurück bin, möchte ich von der FF 90 Kühlbox (in der Bauweise von 2001) berichten. Die Temperaturen waren Anfang Juli bis Mitte Juli sicher deutlich über 40°C in der Spitze und nie unter 32°C in der Nacht. Wir bemerkten etwa 2 Tage nach unserer Ankunft, daß die Cola nicht mehr kalt wurde und die Erwärmung in der vollgefüllten 90-l Box immer weiter fortschritt. Probleme mit der Elektroenergie (Stromzufuhr) hatte ich nicht. Die Spannung war stabil, aber die Stromaufnahme im Bereich der 7-10A, die der große BD50F Dannfoss-Kompressor benötigt zur Funktion, war auf wenige Sekunden (2-4Sekunden alle 30 Sekunden bis alle Minute) beschränkt.
Normalerweise läuft der Kompressor bei 37°C etwa 2'30" und steht dann genausolange still: Prozentuale Laufzeit von 50% konnte ich hier voriges Jahr bestätigen, wobei die Box gut zusätzlich isoliert ist. Ich hatte am Einbau der Box, der immer problematisch ist, worauf ich noch eingehen werde, nichts geändert seit 2003.
Ein "Zyklus" sah diesesmal,2004, wie folgt aus:
Einschalten des Kompressors für 3 Sekunden und stop, mit dem Einschalten des Lüfters (sog. dynamische Belüftung des kompakten Kondensator-Lamellenblockes) für etwa 30 Sekunden und stop, um sofort wieder anzuspringen und abermals etwa 30 Sekunden zu laufen. Dann sprang wieder für 2-4 Sekunden der Kompressor an (unangemessen hohe 11-12A Ampere Leistungsaufnahme), um sofort wieder auszugehen um dem Lüfter allein die Kühlung des "heißen Teils" zu überlassen.

Einzig also den hohen Temperaturen von deutlich über 40°C war es zuzuschreiben, daß der Kompressor "notabgeschaltet" wurde.
Ich habe nur die Erklärung, daß das Kältemittel (Kühlmittel) sich bei diesen hohen Außentemperaturen, die ganz erheblich hohe Binnentemperaturen am Einbauort des Kompressors und vor allem im Kompressor selbst zur Folge haben, im nachgeschalteten, ebenfalls etwa 60°C heißen, Kondensator nicht mehr verflüssigt.
Hierzu ein Zitat aus "http://www.12v-kuehlgeraete.de/":
"Der Druck des gasförmigen Kühlmittels wird im Kondensator auf ca. 8 bar erhöht, indem man es mit einem Kompressor hineindrückt. Das Kältemittel kann aus dem Kondensator nicht so schnell entweichen wie es vom Kompressor hineingedrückt wird. Es wird gebremst durch eine Drossel welche in der Regel ein dünnes Rohr (Kapillarrohr) ist Dadurch steigt die Siede- bzw. Kondensationstemperatur des Kühlmittels auf über Zimmertemperatur. Weil die Kondensatorwände aber eine niedrigere Temperatur als der erhitzte Dampf besitzen, kommt es hier zu einer Verflüssigung (Kondensation) des Dampfes. Die dabei freiwerdende Wärmemenge wird über den Kondensator an die Umgebung abgegeben, was zur Folge hat, das sich die Rückseite des Kühlschranks erwärmt."
Zitat Ende
Nun kann eine Drossel (Kapillarrohr) keinen Gegendruck (Arbeitsdruck) aufbauen, wenn das Kältemittel gasförmig bleibt. Ich behaupte jetzt hier einfach, daß der Kompressor BD50F einen Druckfühler, der bei mangelndem Gegendruckaufbau abschaltet, besitzt. Inwieweit der BD50F diesen Gegendruck "benötigt" oder ob es sich gegen eine Sicherheitseinrichtung gegen Überhitzung und Trockenlaufen handelt, weiß ich nicht. Der Schaltvorgang ist im hermetisch verschlossenen Kompressorgehäuse zu orten.

Die Box eignet sich nur sehr bedingt für heiße Klimata, dem trägt WAECO in der Gebrauchsanweisung Rechnung, nicht jedoch schon im Katalog, daß jemand, der diese Boxen zu Expeditionszwecken verwenden möchte, sich an WAECO wenden möge. Allerdings ist eine Firma nie besser aus der jeweilige Ansprechpartner. Und dieser Ansprechpartner konnte 2003 mit diesem Hinweis garnichts anfangen.

Nun wäre meine Geschichte für das Elektroforum sinnlos, wenn ich nicht noch die Maßnahmen schilderte, die ich durchführte.
Nach 2 Tagen waren wir drauf und dran, den Boxeninhalt schon vor eintretendem Verderb aufzuessen oder wegzuwerfen. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Die FF90 Box, ganz klar, war zum Abschuß freigegeben, um mich einmal der Jägersprache zu bedienen. Ich konnte also daran herumbasteln, selbst auf die Gefahr hin, daß die Sache ganz den Bach runtergeht.

Ich mußte die Box nicht ausbauen, sondern schraubte nur ein paar Lamellenbleche außen am Fahrzeug ab und kam außerdem durch die große Seitenklppe an die Boxen-Rückwand heran.
Ich bohrte mit meinem Multitool die Nieten aus dem Blech der Rückwand, löste die vier Schrauben am Lüfter und hatte nach Entfernen des Bleches den Lüfter/Lamellenblock nur noch an den beiden Kältemittelleitungen hängen. Diesen Block zog ich dann aus der Box heraus, soweit es die Kältemitteleitungen zuließen, der Block stand hinten 45° gedreht heraus. Das Kompressorgehäuse war sehr heiß. Die Lamellenbleche ließ ich weg, die Blechrückwand der Box ebenfalls. Sofort arbeitete die Box wieder normal, d.h. der Kompressor lief in jedem Zyklus 3' und stoppte für etwa 1'. Gewiß war die prozentuale Laufzeit anfangs sehr hoch, denn der ganze Inhalt der Box mußte von etwa 15°C wieder auf etwa 3°C gekühlt werden. Der Urlaub, vollautark und nur freicampend über die gesamte Zeit, konnte harmonisch weitergehen. Die Temperatur von über 40°C war dann auch kein Problem mehr, einfach weil die Kompressor- und Kondensatorteile nicht mehr über geschätzte 55°C warm wurden.

Boxen sind eigentlich transportable Kühleinrichtungen, bei denen auf Kompaktheit Wert gelegt wird. Der Innenraum soll riesig sein bei zwergenhaften Außenabmessungen. Das geht auf Kosten des "Heißen Teils" der Box, die zu klein bemessen ist und zudem bei dieser Box noch von den Seiten her vollisoliert ist. Hier hat man den großen Kompressor BD50F in dieses Kompartiment gezwängt und den Lüfter zu klein bemessen. Das Design der Belüftung wurde ab 2002 geändert.

Ich vermute nach dieser Erfahrung, daß so mancher versagende Kompressorkühlschrank ebenfalls seine Wärme nicht abgeführt bekommt und ein paar beherzte Handgriffe ausgereicht hätten, die Sorgenfalten zu vertreiben.
Gruß Gerhard

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