Ducato-Tagebuch

Antworten Neuer Beitrag Basis Home

geschrieben von M.W. (altes Forum) am Freitag, 1. August 2003 11:08 Uhr :

<br>...heute, den 30.7.03 habe ich beschlossen, ein Tagebuch zu führen<br>über meine Erfahrungen mit meinem Wohnmobil.<p>23.7.03 Ich musste heute etwas vom Schrottplatz für meinen Schwager<br>besorgen. Da stand es. Ein Alkoven-Wohnmobil auf Fiat Ducato-Basis.<br>Ich fragte nach. 800 Euro sollte es kosten. Zuerst warf ich einen<br>Blick in den Brief: 3100 Kg ZZG und Diesel - wunderbar! Einziger<br>Nachteil den die Unterlagen zeigen: Im September verfällt der KFZ-<br>Brief, bis dahin muss TÜV gemacht und angemeldet werden. <p>Das Auto: Ziemlich heruntergekommen. Aber zumindest waren am Boden<br>keine grossen Rostlöscher zu entdecken. Die aufnahmen für die Blatt-<br>feder HL waren durchgerostet, aber verschraubt [schweissen kann ich<br>nämlich nicht], also nicht abschreckend. Gute Reifen, Motor sprang<br>sofort an. Probefahrt war nicht möglich, aber ich legte testweise<br>1. und Rückwärtsgang ein für Kupplungstest. Das Fahrerhaus war <br>schlecht lackiert (vielleicht auch gestrichen) und der Vorbesitzer<br>hat versucht eine Seite des Wohnteils in Gelb mit Orange zu desig-<br>nen. Schlampig. Innen nicht schön aber das war mir sowieso egal,<br>ich plante schon immer bei "meinem" WoMo mit völliger Demontage <br>der Innenausstattung, Vollisolierung und dann eigene Einrichtung.<br>Höchstens Heizung und Kühlschrank/Gaskocher/Spülen-Kombination <br>wollte ich behalten. Ich plane keine weite Reisen, deshalb brauche<br>ich auch keine Naszelle. Lieber weniger Komfort und mehr Platz.<br>[Bei diesem Auto war ich fasziniert von dem Gedanken zusätzlich das<br>Dach zu verstärken - eine kleine Dachterrasse wäre doch was feines! <br>- in lauen Sommernächten den Sternen etwas näher sein...]<p>Fazit: 3,1 t ZGG, kein Eigenbau, Alkoven, Diesel, gute Reifen,<br>5-Gang-Getriebe,keine allzuschwere TÜV-relevante Durchrostungen<br>die geschweisst werden mußten. Diese positiven Punkte wiegen weit<br>schwerer als die schlechte Optik.<p>Ich dachte nach. Ein Dreivierteljahr suchte ich schon ein Wohnmo-<br>bil, hatte mir einigen teuren Schrott angeschaut [die alten WoMo´s<br>werden meiner Meinung nach viel zu hoch gehandelt, aber ich kann<br>mir schon denken warum: Die Leute stecken da mal 50 da mal 100 da<br>mal 400 DM/Euro in das Auto und irgendwann läppert es sich zu<br>Tausenden]. Oder es fehlten Hochdach, 2,8 t ZGG, Platz u.a.m..<p>Ich war schon fast so weit mir einen Pritschen-Transporter zu kau-<br>fen (die einzig bezahlbaren Basisfahrzeuge mit frischem TÜV).<br>Dies wäre zweifellos mehr Arbeit/Kosten gewesen als dieses Auto.<br>Mal ganz abgesehen vom Aussehen der völligen Eigenkonstruktion.<br> <br>Ich war die frustierende Sucherei leid, und habe kurzentschlossen<br>zugegriffen, zumal Hauslieferung zugesagt wurde und drei andere<br>Interssenten noch im Hintergrund lauerten (diese Aussage des Ver-<br>käufers glaubte ich unbesehen). [Eigentlich wollte ich ja keinen<br>Ducato, weil hier im Forum viel über die schlechte Qualität des<br>Autos geschrieben ist...]<p>25.7.03 Auto wurde nach Mittag geliefert (Kosten und Lauferei für<br>rote Nummer gespart!). Erste Experimente zur Farbentfernung. Mit<br>Verdünnung und Terpentin-Ersatz drübergepinselt. Terpentin-Ersatz<br>zeigt keine Wirkung, aber die Verdünnung.<p>Kein Effekt auf die weisse Farbe des Führerhauses, aber die gelbe<br>Farbe am Aufbau liess sich jetzt mit dem Finger abrubbeln. Leider<br>nicht überall...<p>Da muss ich wohl doch Abbeize anwenden. Mache ich nur ungern, weil<br>ich eigentlich die Originalfarbe behalten will. Ich frage mich, ob<br>blankes (KLarlack) Aluminium im Strassenverkehr erlaubt ist (Blend-<br>Gefahr)...<p>Da fehlt ja ein Drückknopf für einen Schalter im Amaturenbrett,<br>im Viererblock rechts oben,was das wohl ist? <p>Danach noch einige Aufräum- und Demontagearbeiten innen gemacht.<p>27.7.03 Der Samstag und der halbe Sonntag war keine Arbeit möglich.<br>Weitere Demontagearbeiten - bis zum späten Abend. Der billige Hand-<br>Akkuschrauber, den ich am Samstag für 6,95 beim REWE-Supermarkt ge-<br>kauft habe, ist echt Gold wert! Nicht so schwer und grosssperrig wie<br>ein normaler Akkuschrauber.<p>28.7.03 Erster und zweiter Schock. Ich war bei FIAT und habe mir<br>einen Satz Auspuffgummis gekauft. Aber zuerst fragte ich nach den<br>Blattfederbefestigungen (nennen sich wohl Federböcke). Der kleinere<br>kostet 70 und der größere 100 Euro. Für so ein bisschen gebogenes<br>Eisen - das ist eindeutig Wucher (Herstellungskosten vermutlich 5<br>Euro) - da muss ich wohl demnächt Schrottplätze abklappern, in der<br>Hoffnung, dass die die Preise nicht kennen. Die Auspuffgummis:<br>35,36 Euro - das sind rund 5,90 Euro pro Stück - sagen wir mal<br>etwa 11,80 DM für´n Gummi - ich glaube ein Rolce Royce wäre auch<br>nicht teurer bei den Ersatzteilen...<p>Dritter Schock: Nach der Montage der Gummis schaute ich mir den<br>Unterboden genauer an. Die zwei kleineren Löcher die geschweisst<br>werden müssen stören mich nicht so sehr, damit musste ich rechnen<br>und es hätten ja auch 10 sein können. Aber der viele Oberflächen-<br>Rost - das bedeutet abbeizen und grundieren - das habe ich vor<br>vielen Jahren einmal beim PKW gemacht und mich arg vergiftet<br>(*würg*). Seit dem packe ich solche Sachen nicht mehr an. Zudem<br>kann ich hier im Hof nicht ewig lang mit Maschinen zur Rostent-<br>fernung lärmen, ist ein Wohngebiet.<p>RIESENFRUST, aber erst mal weiter innen demontiert, und später ver-<br>sucht den Lack von der Beifahrertür zu entfernen. Nach verschieden<br>Experimenten bin ich dazu übergegangen, den Lack mit dem 0,10mm-Blatt<br>einer Fühlerlehre abzuschaben. Ich muss nur aufpassen, dass ich die<br>richtige Seite nehme (Zahl auf Rückseite, sonst klappt es nicht. <br>Mögen die Leute ruhig denken, der ist bekloppt - das ist (in der <br>richtigen Stimmung) pure Meditation.<p>Schon am frühen Abend aufgehört zu arbeiten, die vorherige Nacht<br>war mit 5 Stunden zu kurz für meiner Mutter Sohn. <p>Abends dachte ich an Kapitulation. Früher, vor Einführung der Ent-<br>sorgungsverordnung, wäre mein Verlust gering gewesen. Da hätte ich<br>halt mit dem Verkauf von Motor, Getriebe, Reifen wohl mehr als die<br>Hälfte des Kaufpreises wieder reinholen können. Und dann blieben<br>noch jede Menge Teile übrig, die die Schlachtung in die Gewinn-<br>zone hätten führen können. Wäre zum Schluss noch viele Quadratmeter<br>Alublech (was ja bekanntlich scheissteuer ist, zumindest wenn man<br>im Baumarkt guckt) für mich für eigene Kostruktionen übrig geblieben.<br>Nur heutzutage kann man ja empfindliche Geld-Strafen erhalten, wenn<br>man ein Fahrzeug nicht bei einem zertifizierten Entsorger abgibt.<br>Ich fragte mich, was wohl in Polen oder Russland so ein WoMo wohl<br>wert ist - ab in den Export.<p>Aber dann sagte ich mir: "O.K. Schmeiss das Ding und deinen Traum in<br>den Mülleimer! Morgen.........."<p>29.07.03 Weitere Demontagearbeiten im Innenraum. Leider ist eine<br>zerstörungfreie Komplettdemontage nicht möglich. Mittlerweile<br>sammel ich nicht mehr jede einzelne Schraube auf - die Anzahl kann<br>ich langsam nach Gewicht messen.<p>Nach Abnahme des Frontblechs der Truma-Heizung kommt mir ein liberales<br>Kabel entgegen - ist schwarz und hängt am Innenteil - wohl Masse.<br>Ausbau des Wassertanks - warum eigentlich im Innenraum - klar, wegen<br>Frost. Behalten?<br> <br>Beim Abbau fiel mir auf, dass die Erbauer doch recht grosszügig mit<br>dem Raum umgegangen sind. Viele, viele verschenkte Kubikdezimeter<br>ungenutzter, toter Raum. Gerade in einem Wohnmobil zählt doch jedes<br>biss´chen Platz.<p>Nasszellenausbau. Die Duschwanne ist stark mit Bitumen verklebt, das<br>hätte ich ja noch hinbekommen, aber der Abfluss ist "kiloweise" mit<br>Silikon eingepappt - da machte es "KNACK" und das Plastik war gerissen.<br>Soll ich die Wandschale der Nasszelle irgendwann wieder einbauen? Wahr-<br>scheinlich nicht, aber zum wegschmeissen eigentlich zu schade. Ich<br>setze sie wohl irgenwann in die Annonce (Kleinanzeigenblatt) zu ver-<br>schenken.<p><br>Pause.<p>21:15 wollte ich noch was ins WoMo bringen. Ich blieb an der Beifah-<br>rertür stehen und wollte noch eine Viertelstunde schaben. Zog sich<br>in die Länge, es wurde eine dreistündige Meditation draus. Der ein-<br>zige Vorteil bei einer Anstellung beim Arbeitsamt, genug Zeit.<p><br>30.7.03 HUIIII! Was habe ich da bloss angefangen?! An der Seite wo<br>der Wassertank eingebaut war und es 2 schmale Fenster nebeneinander<br>gibt, habe ich beim Ausbau der E-Kabel bemerkt, das die Schrauben<br>nicht mehr halten, im weichen Untergrund stecken. Nach dem Raus-<br>reissen der Wandverkleidung erschrickt mich TOTALER Moder. Das Holz<br>auf etwa 1 qm besteht nur noch aus nassen krüemeligen Holzfasern.<br>Bestimmt kein gutes Wohnklima, was in diesem WoMo herrschte...<br>Leider hat die Feuchtigkeit auf die Dauer auch die Alubeplankung<br>angegriffen, und das Blech in weisses Pulver umgewandelt. <p>Aber so viel ich im Internet so gelesen habe, kann einem dies auch<br>mit einem jüngerem/teueren WoMo passieren. Es ist wohl generell<br>sinnvoll ab einem gewissen Alter eines WoMo/WoWa eine Komplettde-<br>montage des Innenraums durchzuführen.<p>Sollte ich es jemals bis zum Neubau schaffen, so verwende ich nur<br>kesseldruckimprägniertes Holz für den Aussenbereich.<p>Mich würde nur einmal interessieren, aus was für einem Material<br>die Bodenplatte ist, hört sich nicht nach Holz an.<p>Und wieder einmal frage ich mich, ob der Aufwand lohnt. Aber zu-<br>mindest lerne ich etwas über den Aufbau. Mir kommt da auch der Ge-<br>danke, dass sich die Arbeit doch lohnen könnte denn wenn der Wohn-<br>aufbau fertig ist, könnte ich ihn wohl länger nutzen. Wenn nötig<br>könnte ich später einmal das Fahgestell wechseln, sollte möglich<br>sein (und ich denke auch in 2 Jahren notwendig bei 84er Baujahr).<p>An der Beifahrertür konnte ich teilweise/testweise schon den alten<br>Lack wieder in Ordnung bringen. Nach dem Abschaben der weissen Lack-<br>schicht und Entfernung der dünnen Grundierungsschicht mit Verdün-<br>nung erschien ein ziemlich guter Originallack. <p><br>31.07.03 Habe im Internet nachgeschaut. Offenbar sind die Tansporter<br>Ducato, Peugot J5 und Citroen C25 baugleich (abgesehen vom Antrieb) -<br>dies wäre natürlich positiv bei der Gebrauchtteile-Beschaffung.<p>Ich habe es gewußt, FIAT hat Wucherpreise. Im Internet verkauft ein<br>Händler (www.axel-augustin.de) die Auspuffgummis für 1,28 Euro, das<br>ist rund 4,5 mal preiswerter!<p>Ich fand noch einen interesanten Text bei www.winnie-the-pooth/<br>auto/wohnmobil/ducato.html - nicht gerade schmeichelhaft für FIAT.<br>Als Jugendlicher benutzten wir ein bestimmte "Übersetzung" dieses<br>Markennamens: Fehler In Allen Teilen. <p>Heute werden ich wohl einen Tag pausieren, ich muss etwas Abstand<br>gewinnen...<p>Habe doch noch was getan...<p>Rostumwandler, Abbeizer, Grundierung und Füller im Baumarkt geholt.<p>Den Abbeizer musste ich sofort ausprobieren, das Zeug hat mich aber<br>sehr enttäuscht! Ich erwartete die Farbe würde abblättern und zu Bo-<br>den fallen - nada non nothing *GRRRR*<p>20:00 Jetzt mache ich erst eine Kaffeepause. <p>Und weiter.<p>22:45 Die Sterne funkeln, das Bett ruft. Also Feierabend.<br> <p>Epilog: Mittlerweile belaufen sich die Gesamtkosten dieses Aben-<br>teuers auf 960 Euro. Entweder man führt genau Buch über die Aus-<br>gaben, oder es wird ein Fass ohne Boden.<p>Mal sehen wie es weiter geht, ob überhaupt. <br><br>

Antworten:

Zurück zum Forum Basis

Diese Seite weiterempfehlen